Die »gute alte Email« ist als Kommunikationsmittel selbstverständlich geworden. Aber was passiert eigentlich, wenn wir jemandem ein »Mail« schreiben? Es ist Zeit, sich darüber wieder einmal Gedanken zu machen.

 

SMTP und was dahinter steckt.

Vier Buchstaben hat das technisches Dingsda, das uns täglich begleitet: SMTP, das Akronym für Simple Mail Transfer Protocol, ist wörtlich zu verstehen. Es geht um den Transport einfacher Nachrichten per elektronischer Post. Attachments, Bilder und gestaltete Seiten sind technisch gesehen eine missbräuchliche Verwendung von SMTP, denn das Protokoll war ursprünglich für den Versand von Texten gedacht. Nach wie vor ist alles in einem Email Text. Alle Dokumente, Programme und Bilder, werden als Text verschickt.

Das Protokoll ist nur die technische Beschreibung der Übertragung. So wie das Rezept für Coq au vin höchstens nach Papier oder Bildschirm schmeckt, enthält ein Protokoll bloß die Regeln. Damit das virtuelle Huhn gar wird, braucht es Software. Die Daten müssen bearbeitet und regelkonform verschickt und empfangen werden.

Vielleicht können Sie sich vorstellen, was es für eine Software, die für kurze Textnachrichten entwickelt wurde, bedeutet, den nackten Code einer vierzig Megabyte großen Datei blitzschnell zu verarbeiten. Von einem Attachment sehen Sie in Ihrem Mailprogramm nur ein Dateisymbol, aber in Wirklichkeit können Sie auf diese Art einige Tausend Zeilen Text versenden. Das dauert eine Weile und ist nur möglich, weil die Server und PCs so schnell und unsere Mailprogramme so schlau sind. Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass Mailserver große Attachments für den Versand öffnen können. Deshalb begrenzen Provider die Größe der Attachments. Sonst bleiben diese einfach stecken und blockieren den Server. Übliche Grenzwerte liegen bei 5 bis 20 Megabyte.

 

Ist dieses postartige System wirklich so simpel, kann es einen Brief von A nach B praktisch in Lichtgeschwindigkeit transportieren?

Ja und nein. Als Absender sind Sie Punkt »A«, aber der Empfänger ist nicht »B«. Da steht Einiges im Weg, das durchaus hinderlich sein kann. Niemand schreibt jemand anders direkt ein Email, eine derartige Übertragung gibt es nur beim Fax.

Email ist ein weltweites komplexes System. Wenn Sie jemandem schreiben, schicken Sie Ihren Text zu Ihrem Mailserver. Der schickt ihn weiter ins Internet. Auf der anderen Seite kommt er raus und landet am Mailserver des Empfängers. Von dort kann er mittels eines Mailprogrammes abgeholt werden.

Vereinfacht gesagt haben wir es bei Email mit elektronischen Postfächern zu tun. Sie haben ein Programm, das Nachrichten adressiert in einem Postfach ablegt. Ihr Partner hat ein Programm, das Nachrichten aus seinem Postfach abholen kann. Was dazwischen passiert, entzieht sich Ihrer Kontrolle.

 

Wie sicher sind meine Emails?

Der Inhalt Ihrer Emails ist nicht sicher. Was Geheimhaltung betrifft, ist Email eine der unsichersten Versandarten überhaupt. Sie haben keine Kontrolle über das Transportsystem und für jeden Server gibt es zumindest einen Administrator, der mit relativ wenig Aufwand jedes Email lesen kann. Wenn Sie für wichtige, geheime oder persönliche Nachrichten einen der womöglich noch ausländischen Gratis-Maildienste verwenden, gehen Sie das größtmögliche Risiko ein. Sie kennen den Betreiber des Services nicht, dem Sie Ihre Post übergeben. Sie wissen nicht, wer Zugriff auf Ihre Nachrichten hat. Das kann ein Student sein, der als Ferialpraktikant einen Mailserver administriert und Emails zum Vergnügen liest. Es kann aber auch Ihre Konkurrenz sein, die sich Ihre Emails ohne Ihr Wissen über Mittelsmänner zusenden lässt. Oder ein Geheimdienst. Oder eine mafiöse Organisation.

Email ist Vertrauenssache. Wenn wir für Sie das Mailservice betreiben, können Sie sicher sein, dass wir Ihre Mails nicht lesen und niemand außer unserer Administration Zugang zum Mailserver hat. Somit ist zumindest der Weg zwischen Ihrem Mailprogramm und unserem Server sicher. Was abseits dieser Strecke passiert, entzieht sich wiederum unserer Kontrolle. Aber wenn Ihre Mailpartner dieselbe Sorgfalt walten lassen und keine dubiosen oder unbekannten Services einbinden, sind Ihre Emails relativ sicher. Denn dann werden die Nachrichten nur zwischen zwei Mailservern ausgetauscht, deren Betreibern sowohl Absender als auch Empfänger vertrauen.

Sie können einen eigenen Mailserver betreiben, aber das macht Ihre Nachrichten nicht unbedingt sicherer. Ein professioneller Betreiber hat mehr Erfahrung, wird eher misstrauisch wenn er seltsame Vorgänge bemerkt. Ein internes Mailsystem kann auch nicht mehr als die »letzten Meter« kontrollieren. Wenn sie einen höheren Sicherheitsanpruch haben, bleiben Ihnen nur eine gute Verschlüsselung oder der Verzicht auf Email für heikle Nachrichten.

Wir möchten Ihnen die praktische Email nicht verleiden. Was wir hier schreiben gilt auch nicht nur für Email, sondern für die meiste elektronische Kommunikation. Ihr Handy kann man recht einfach abhören. Zunehmend wird auch das telefonische Festnetz durch die digitale Variante ersetzt, bei der alle Ihre Telefongespräche über Ihnen unbekannte Betreibernetzwerke und deren Server laufen. Was bleibt also noch?

Für wirklich geheime Nachrichten stehen Ihnen nur verschlüsselte Emails, gesicherte Telefonleitungen und persönliche Gespräche zur Verfügung. Ansonsten, für die normale tägliche Arbeit, sind Sie bei einem vertrauenswürdigen Provider am besten aufgehoben. Das ist viel mehr wert, als die jeweils preisgünstigsten Dienste von undurchschaubaren Anbieter-Konstrukten in Anspruch zu nehmen. Arbeiten Sie mit einem seriösen Provider und halten Sie Ihre Geschäftspartner dazu an, dasselbe zu tun.

 

Warum ist Email so billig?

Mailservice ist nicht billig. Man sagt Ihnen nur nicht was es kostet, damit Sie glauben, es sei billig. Der Provider hält Spam weitgehend von Ihnen fern, indem er von seiner Software als Spam erkannte Emails markiert und Ihnen damit die Möglichkeit gibt, solche Mails in Ihrem Mailprogramm zu filtern und zu löschen. Die meisten Provider haben auch Virenschutzprogramme laufen, die infizierte Sendungen gar nicht erst zustellen. Provider haben Listserver laufen, die Ihnen ermöglichen, ein Email an viele Adressen zu senden. Das alles fordert von jedem Provider persönlichen Einsatz, regelmäßige Wartung und Hunderte bis zig Tausende von Euro jährlich, um das Mailsystem in Betrieb zu halten. Der Provider macht das, ohne Ihnen etwas davon zu sagen. Denn der Provider ist ein Idiot. Alle Provider gehören zu dieser Spezies, weil sie Sie in dem Glauben lassen, dass alles von selbst funktioniert. Weil sie glauben, dass Sie glauben, dass Mailservice praktisch nichts kostet. Mailservice ist teuer. Seit die Bezahlung von Emails unmodern geworden ist, bezahlen Sie indirekt über die Kosten anderer Services.

Bei uns ist das nicht anders. Nicht weil wir dummen Entwicklungen gerne nacheifern, sondern weil Kunden sonst fälschlicherweise glauben, dass Email bei uns etwas kostet und woanders nicht. Eine verdrehte Welt. Aber bei uns können Sie auch Mailservices separat mieten. Für viele Firmenadressen zum Beispiel, auch für Mailing- und Diskussionslisten, wenn Sie möchten mit eigener Verwaltung und bei Bedarf mit direkter Anbindung an Ihre Website. Bei diesen Services herrscht dann Kostenwahrheit.

 

Spam, Viren und böse Buben.

Spam ist heute allgegenwärtig. Vor einigen Arten von Spam gibt es keinen technischen Schutz. Antworten Sie nicht auf Spam Ihnen unbekannter Absender, um sich gegen weitere Zusendungen zu wehren. Das Einzige was Sie in der Regel damit erreichen ist, dass Ihre Adresse damit bestätigt wird und am internationalen Adressenmarkt an Wert gewinnt. Spammer werden nach versendeten Emails bezahlt, die aus Rückantworten gewonnenen gültigen Adressen sind ihr Zubrot. Die Versandserver sind so programmiert, dass Sie die Adressen von Leuten, die auf den Spam reagiern, automatisch speichern und an die Adress-Pools weitergeben.

Wir filtern täglich eine beträchtliche Anzahl von bekannten Viren. Unsere Mailserver werden regelmäßig an neue Viren angelernt. Das schützt gegen viele Schadprogramme, aber nicht gegen alle. Seien sie aufmerksam. Öffnen Sie keine Attachments, deren Zusendung Sie nicht erwartet haben. Wenn Sie in einem Email einen Link finden, klicken Sie nicht einfach drauf. Sollte Sie das Angebot wirklich interessieren, kopieren Sie den Link zuerst in ein möglichst simples Textprogramm oder in die Adresszeile Ihres Webbrowsers, aber ohne die Zielseite tatsächlich aufzurufen. Seien Sie nicht überrascht, wenn der Link dann nicht die Adresse zeigt, die Sie erwartet haben. Wenn dort statt der Bank of America plötzlich die Adresse eines rumänischen oder chinesischen Servers steht. Wenn Sie Internetadressen und die Techniken der bösen Buben nicht 100%ig beurteilen können, machen Sie besser keine Experimente.